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Press Review
Cambreling dirigiert Strawinsky und Orff
04. Juni 2010 – Mainz, Rheingoldhalle
05. Juni 2010 – Bremen, Die Glocke
Weser Kurier vom 07. Juni 2010
(von Gerd Klingeberg)
Die Gewalt der Musik
EuropaChor mit Sylvain Cambreling
[...]
Die eruptive Gewalt der Musik, von Sylvain Cambreling mit dezidiertem Dirigat kontrolliert und straff geführt, verlangt geradezu nach einem entlastenden Ventil der Bewegung; als reine Choraufführung ohne die vom Komponisten angedachte Ballettumsetzung wirkt "Les Noces" hörlastig. Der Chor entledigt sich seiner höchst anspruchsvollen Aufgabe mit Bravour; die Solisten, stimmlich ebenfalls stark gefordert, überzeugen durchweg mit nachdrücklichem Einsatz gegen ein übermächtig erscheinendes Schlagwerk und den vereinten Schalldruck von vier Klavieren[...].
Die mit fast gleicher Instrumentation besetzten "Catulli Carmina" von Carl Orff eröffnen sich in ihrer bildhaften Sprache, [...]deutlich einfacher. Über weite Passagen kann die EuropaChorAkademie ihr brillantes A-cappella- Potenzial mit blitzsauberer Intonation zur Geltung bringen. Die zungenbrecherischen, mit häufigen Repetitionen an Rap erinnernden Textteile werden im homogenen Unisono gestochen scharf artikuliert. Einfühlsam weich vorgetragene Passagen mit glasklaren Harmonien lassen träumen; daneben wirken die wiederholten "Eis aiona"-Deklamationen wie unüberwindliche Bollwerke. Stefanie Dasch (Sopran) und Jean-Noël Briend (Tenor) gestalten ihre solistischen Parts ebenso mit großer dynamischer Bandbreite; [...] Schlagwerk und Klaviere, häufig angemessen im Hintergrund bleibend, agieren in wohl abgestimmtem Zusammenspiel. Die klar strukturierte Aufführung gelingt mit dramatischer Dimension. Begeisterter Beifall.
Allgemeine Zeitung vom 07. Juni 2010
(von Axel Zibulski)
Vier Klaviere und Schlagwerk
EUROPA-CHOR-AKADEMIE Dirigent Sylvain Cambreling stellt Werke von Strawinsky und Orff gegenüber
[...]Einen schlank-essenziellen Charakter hatte die Aufführung der spürbar exzellent von der Europa-Chor-Akademie und ihrem Leiter Joshard Daus vorbereiteten Werke auch deshalb, weil sowohl Strawinsky als auch Orff die Musik als Begleitung eines szenischen Spiels vorgesehen hatten. Darauf jedoch verzichtete man hier und konnte dennoch Stimmung und Atmosphäre allein aus der musikalischen Gestaltung schöpfen. So gelang es der Europa-Chor-Akademie in Strawinskys hoch komplexen „Les Noces“, in denen das Metrum sich teils Takt für Takt verschiebt, den Deklamations-Charakter des Chorsatzes immer noch natürlich wirken zu lassen: „Ich kämme Natasjas Haar und flechte ein rotes Band hinein“ - nicht selten stehen der anspruchsvolle musikalische Aufwand und die eher banalen Aussagen in schiefem Verhältnis.
[...]
Nur vordergründig schlichter und eingängiger scheinen Carl Orffs „Catulli carmina“ angelegt zu sein,[...]Die pianistische Fleißarbeit permanenter kurzschleifiger Motiv-Wiederholungen war bei dem Quartett von Christoph Grund, Klaus Steffes-Holländer, Florian Hoelscher und Julia Vogelsänger freilich in ebenso versierten Händen wie die Aufführung beider Werke auf Seiten des hier unaufdringlich, aber punktgenau dirigierenden Mainzer Honorarprofessors Sylvain Cambreling.
Johann Sebastian Bach- Messe h-Moll
31. März 2010 – München, Philharmonie am Gasteig
01. April 2010 – Bremen, Die Glocke
02. April 2010 – Berlin, Philharmonie
Weser Kurier vom 03. April 2010
(von Gerd Klingeberg)
Auf Hochglanz polierte h-Moll Messe zu Ostern
[...]Auf jeden Fall gilt die h-Moll-Messe als einzigartiges Zeugnis genialer bachscher Kompositionskunst, bis heute faszinierend mit seiner Überfülle musikalischer Inspirationen, aber für die Ausführenden, vor allem den Chor, eine echte Herausforderung. Die EuropaChorAkademie unter Joshard Daus zeigte sich bei der Aufführung in der Glocke diesem Anspruch gesangstechnisch bestens gewachsen.
Mit klarer Artikulation, mit brillanten, sauber ausgesungenen Koloraturen auch
bei schnelleren Tempi, und mit stets ausgewogenem Stimmenverhältnis lieferte der Chor in guter Abstimmung mit dem präzise agierenden Stuttgarter Kammerorchester einen durchweg homogenen Gesamtklang.
Das nach dem markanten Eingangsaufschrei sehr bedächtig angegangene Kyrie mit angedeuteter Seufzermotivik kontrastierte eindrucksvoll mit dem folgenden strahlenden Gloria, dessen Schwung zum sanften Melos von „In terra pax“ sauber abgefangen wurde. Als freudig ausgelassene Weckfanfare mit spritzigem Swing gestaltete sich das „Cum sancto spiritu“; wie eingemeißelt erklang das Credo; sauber wurde die diffizile Chromatik beim erschütternden „Crucifixus“ und beim aufwühlend spannungsvollen „Et expecto resurrectionem“ mit seinem befreienden Jubelruf gemeistert. [...]
Was bleibt, ist die innige österliche Sehnsucht des gesamten Universums, mit der Bach sein vielschichtiges Werk in feierlicher Harmonik beschließt und die der Chor mit Vehemenz intonierte: das Dürsten nach Frieden „Dona nobis pacem“.
Deutsche Romantik
a cappella
15. November 2009 – Wiesbaden, Kurhaus
17. November 2009 – Bremen, Die Glocke
Weser Kurier vom 19. November 2009
(von Gerd Klingeberg)
Sehnsuchtsvolles Schwärmen in romantischer Chormusik
Bremen. „O Täler weit, o Höhen, o schöner grüner Wald.,." - der bekannte Eichendorff-Text ist in der Mendelssohn-Vertonung schon bald zum Volkslied geworden, [...]. In einer höchst ausgefeilten Edelvariante wurde es von der EuropaChorAkademie in der Glocke präsentiert - als Auftakt zu einem Liederabend, der sich der Musik der deutschen Romantik verschrieben hatte. [...]
Mit bestechend klarer Artikulation und ebenso präziser Intonation überzeugten die 34 Sänger in der Kunst des A-cappella-Vortrags und interpretierten unter umsichtigem Dirigat von Joshard Daus eindrucksvoll die heftig wechselnden Stimmungslagen. Mit Esprit und Emphase gesungen, wurden Brahms' „Zigeunerlieder" und Schumanns exotisch angehauchtes „Zigeunerleben" zu üppig farbigen, die Fantasie beflügelnden Tongemälden, Ausdruck epochentypisch verklärender Zigeuner-, pardon: Roma-Romantik mit intensivem Fernwehfaktor. [...]
Keineswegs fehlen durften an diesem Abend Kompositionen von Josef Gabriel Rheinberger,[...]. Die ausgeprägte Dramatik sowohl mondnächtlicher Idylle als auch düster balladenhafter Geschichten vom „Schloss am Meer" oder vom ängstlichen Horchen auf das raunende Locken der „Wasserfee" wurden vom Chor mit äußerst kontrollierter Stimmgebung und kontrastreicher Akzentuierung ausdrucksstark umgesetzt.
Mit großer Perfektion meisterten die Sänger schwierigste ineinander geschachtelte chromatische Passagen, die sich in breiten Akkorden sanft aufzulösen schienen. Mit größter Innigkeit, starkem Gestus und plakativer Klangbreite gestaltete der Chor die so einfachen und dabei himmlisch entrückt wirkenden Worte, endend in einem anhaltenden, sublimen Pianissimo-Akkord, der die Zuhörer ergriffen innehalten ließ. Sehr herzlicher Beifall.
Wiesbadener Kurier vom 17. November 2009
(von Siegfried Kienzle)
Gesang mit theatralisch packender Wasserfee
Die "EuropaChorAkademie" im Wiesbadener Kurhaus / Hermann Beil rezitiert Gedichte von Heinrich Heine
Das 19.Jahrhundert war die hohe Zeit der Gesangsvereine, die als "Liedertafel" in vielen Städten zum Zentrum der bürgerlichen Gesellschaft und Geselligkeit wurden.[...]
Mit einem Konzert im Kurhaus leuchtete der Dirigent Joshard Daus mit der von ihm 1997 gegründeten "EuropaChorakademie" in diese Nischen der Musikgeschichte hinein.[...]
[...]Die 11 "Zigeunerlieder", die Johannes Brahms 1888 für ein Vokalquartett komponiert hat, erklangen wunderbar ausbalanciert in den Klangfarben der unterschiedlichen Stimmlagen. [...]
[...] Doch mit [Rheinbergers] Ballade "Die Wasserfee" op.21 erreichte der Chor geradezu theatralisch packende Wirkung. Und das abschließende "Abendlied" op.69/3 "Bleib bei uns, denn es will Abend werden" von 1855 füllte mächtig aufrauschend und dann im Piano verebbend den Raum. Der Pianist Jonathan Alder begleitete umsichtig am Klavier [...]. Hermann Beil[...] rezitierte Gedichte von Heine und Wilhelm Müller und rundete so das Spektrum der Romantik ab.
Ludwig van Beethoven- Missa solemnis
20. September 2009 – Wiesbaden, Kurhaus
Wiesbadener Kurier vom 22. September 2009
(von Axel Zibulski)
Tadellos gestaltete Höhen der Soprane
KURHAUS Beethovens "Missa solemnis"
[...]
Nicht in einem sakralen Rahmen, sondern im Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses erklang die "Missa solemnis" jetzt auch in einem Konzert der EuropaChorAkademie, einem gemeinsamen Vokalensemble der Mainzer Universität und der Hochschule Bremen. [...]
Die tadellos gestalteten, extremen Sopran-Höhen etwa verrieten eine hohe Professionalität.
Die hörbar profunde Chor-Einstudierung hatte Joshard Daus, vor zwölf Jahren Gründer der EuropaChorAkademie, übernommen. Geleitet wurde das Konzert von Christoph Poppen, Chefdirigent der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern. [...]
Joseph Haydn: Messe d- Moll Hob. XXII Nr. 11 ´Nelson´
CD- Rezension, Label: Glor classics
www.klassik.com vom 20. August 2009
(von Frank Fechter)
Gielens Haydn
Michael Gielen, das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg und die EuropaChorAkademie, das sind nicht unbedingt die Interpreten, die man auf dem CD-Markt mit einer späten Haydn-Messe und einer der letzten Sinfonien des Komponisten erwarten würde. Doch das Ereignis kann sich hören lassen! Gielen überrascht einmal mehr als vielfältiger, an die Marktgesetze unangepasster Dirigent.
Vom ersten Takt an weiß Gielen bei transparentem Klangbild große Dramatik in der so genannten 'Nelson-Messe’ zu entfachen. Aus der außergewöhnlichen Instrumentalbesetzung – Haydn ließ Chor und Solisten nur durch Streicher, Trompeten, Pauke und Orgel begleiten, Holzbläser fehlen ganz – gewinnt Gielen markante Klangfarben und atmosphärische Dichte. Die zehn Sätze der Messe sind in seiner Lesart sorgfältig modelliert, kontrastreich aufgebaut und in bester Balance zwischen Soli, Chor und Orchester austariert. [...] Hier herrscht spannungsgeladener Realismus, komplexe Stimmführung und weltliche Dramatik des Glaubens.
Leider sind die vier Gesangssolisten nicht ganz auf der Höhe dieser wirkungsstarken Interpretation: [...][Sie] erreichen die Vehemenz Gielens und der fulminant singenden EuropaChorAkademie leider nicht.
[...]
Unter Gielens Leitung kommt in keinem der beiden Spätwerke der Gedanke an einen bedächtigen ‚Papa Haydn’ auf. Die Zuspitzungen, die Gielen für Form, Tempi und Rhythmus findet, stehen ganz im Sinne einer Wirkungsästhetik, die als ebenso historisch informiert, wie zeitgemäß gelten darf. Großartig!
Sylvain Cambreling Meisterkurs für Dirigieren
Chormusik a cappella des 19. und 20. Jh. mit Werken von Bruckner, Martin und Villa Lobos
28. April 2009 – Universität Mainz
Mainzer Allgemeine Zeitung vom 20. April 2009
(von Frank Wittmer)
"Dirigierstar" gewährt Einblicke
Meisterkurs mit Sylvain Cambreling an Mainzer Universität ist öffentlich
MAINZ. Am Dienstag, 28., und Mittwoch, 29. April, lässt sich der internationale "Dirigierstar" Sylvain Cambreling bei der Arbeit über die Schultern schauen. An diesen beiden Tagen bietet er Meisterkurse an der Mainzer Uni an.
Ermöglicht wird dies durch das Engagement der EuropaChorAkademie (ECA) - eine gemeinsame Institution der Johannes Gutenberg-Universität und der Hochschule Bremen. Sie bietet nächste Woche Freunden der klassischen Musik im Rhein-Main-Gebiet die herausragende Gelegenheit, einem echten internationalen "Dirigierstar" über die Schulter zu schauen, ihn bei seiner musikalischen Detailarbeit zu belauschen: Sylvain Cambreling gewährt faszinierende Einblicke in einem für die Öffentlichkeit frei zugänglichen Meisterkurs an der Universität Mainz.
Cambreling ist Chefdirigent des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden/Freiburg, einer der Haupt-Dirigenten der Opéra National de Paris, zudem ab 2010 Leiter des Yomiuri Nippon Symphony Orchestra und weltweit gefragter Gastdirigent. Stets überrascht seine eigenständige künstlerische Vision; er gilt vor allem als Spezialist für Berlioz und Messiaen.
Die ECA hat nicht nur als internationaler Konzertchor, der Sängerinnen und Sänger aus 18 Nationen vereint, einen exzellenten Ruf. Neben hochkarätigen Konzerten auf den Podien der Welt (wie zuletzt die Welturaufführung des Opern-Oratoriums "Vita Nuova" nach Dantes Versepos von dem 1946 geborenen russischen Komponisten Vladimir Martynov, die die ECA auf Einladung des London Philharmonic Orchestra unter Leitung von Vladimir Jurowski in London und New York mitgestaltete und dafür mit Kritiker-Lorbeeren geehrt wurden) und ambitionierten CD-Produktionen (wie zuletzt die ausgezeichnete Aufnahme von Bernd Alois Zimmermanns "Requiem für einen jungen Dichter" unter Bernhard Kontarsky) nehmen vor allem Projekte im Bereich Bildung und Weiterbildung einen wichtigen Raum ein. Zu Schulprojekttagen, Akademie-Festivals und interdisziplinären Begleitprogrammen kommen Meisterkurse mit renommierten Gastdirigenten für begabte Jung-Musiker im Sinne einer Exzellenzförderung. Die Zusammenarbeit mit Cambreling ist bereits eine Tradition und hat sich bestens bewährt. Nun ist der Maestro auf dem Mainzer Campus zu Gast. Am Dienstag, 28., und Mittwoch, 29. April, findet Cambrelings Meisterkurs für Dirigieren zum Thema "Chormusik a cappella des 19. und 20. Jahrhunderts" in der Alten Mensa auf dem Uni-Campus statt. Auf dem Programm stehen Frank Martins Messe für Doppelchor a cappella, Motetten von Anton Bruckner und Choros 10 von Heitor Villa-Lobos. Für die Kursarbeit steht die EuropaChorAkademie zur Verfügung. Der Kurs ist öffentlich, die passive Teilnahme ist kostenfrei. Kurszeiten sind jeweils von 10 bis 13 und von 17 bis 20 Uhr.
Johannes Brahms- Ein deutsches Requiem op. 45
nach Worten der heiligen Schrift für zwei Klaviere, Solisten, Chor und Kesselpauken in der Bearbeitung von Heinrich Poos
06. April 2009 – Bremen
07. April 2009 – Wiesbaden
10. April 2009 – Berlin
Weser Kurier vom 08. April 2009
(von Manfred Züghart)
Reizvolle Fassung des Requiems
Joshard Daus ließ das Werk von Brahms ohne Orchester aufführen
[...]
Nun war im großen Saal der Glocke die Sparfassung zu hören. Und die brachte wider Erwarten den Nachweis, dass sie kein den Umständen angepasster Ersatz sein muss, sondern ihr eigenes Gewicht hat und ihre besonderen Reize. Wenn nämlich eine Aufführung in der Qualität gelingt, wie sie Joshard Daus und seine "EuropaChorAkademie" samt Solisten vorstellte. [...]
Die beiden Pianisten, Jonathan Alder und Thorsten Kaldewei, waren in allen Teilen den knapp vierzig professionell agierenden Choristen qualifizierte, von der dynamischen Klangspreizung her gleichgewichtige Partner. Aber weder im Fortissimo noch in den zart gehaltenen Passagen gab es jenen Mischklang, der für die Wiedergabe in der Orchesterfassung charakteristisch ist. Das bedeutete, dass sich das Vokalensemble in großer Spannweite ungedeckt zur Geltung bringen konnte, animiert von Joshard Daus, der zusätzlich ein hohes Maß an Gestaltungsintensität vermittelte.
[...]"Ein deutsches Requiem", einmal also auch in Bremen ganz anders erfahren, aber voll dynamisch ausgelebter Kraft, mit großer Binnenspannung und untadelig in der musiziertechnischen Umsetzung.
Hector Berlioz: L´Enfance du Christ
CD- Neuerscheinung, Label: Glor classics
www.klassik.com vom 01. April 2009
(von Paul Hübner)
Neues zur Geburt
Reich ist die Musikgeschichte an Schilderungen der Geburt Jesu, doch ist die Weihnachtsseligkeit erst einmal verklungen, fragt keiner, wie es weitergeht. [...] Hector Berlioz’ Oratorium ‘L’Enfance du Christ’ ist somit in mehrfacher Hinsicht ein Werk, das aus der Reihe fällt. Nicht nur, dass es sich einem seltenen Sujet widmet, auch die Entstehungsgeschichte des Werkes ist so lang wie die Odyssee der Heiligen Familie selbst.
[...]
In den letzten Jahren sind einige hervorragende Aufnahmen des Oratoriums entstanden, zu nennen wären vor allem diejenigen und Eliot Gardiner und Colin Davis. Das junge Label Glor fügt diesen nun eine weitere hinzu, als eine seiner ersten Publikationen. Es handelt sich um einen Livemitschnitt des Orchestre Philharmonique du Luxembourg und der EuropaChorAkademie, die musikalische Leitung hat Sylvain Cambreling inne.
Das Verdienst dieser Einspielung liegt ohne Zweifel in der hervorragenden orchestralen Gestaltung durch Cambreling und einem Orchester, das mit jenem französischen Esprit spielt, nach dem das Werk verlangt. Da wird ungemein plastisch musiziert, in wunderschönen, atmenden Bögen, mit Sinn für den großen und doch fein ausdifferenzierten Klang. Nicht nur in dramatisch kolorierten Szenen, auch in den intimen, fast kammermusikalischen Abschnitten des Werkes gelingt es den Musikern, zu einer Balance zu finden, die ein phänomenales Hörerlebnis in allen Schattierungen möglich macht.
Bei den Sängern gefallen vor allem die Muttersprachler Yann Beuron und Philippe Rouillon mit einem Timbre, das sich ausnehmend gut in das orchestrale Gefüge eingliedert. Bis in die – im Booklet leider nicht näher benannten – Nebenrollen gelingt so eine Interpretation, die auch den dramatischen Aspekt des Oratoriums nicht vernachlässigt. Die EuropaChorAkademie leistet dabei solide Arbeit, besonders unter dem Gesichtspunkt, dass sich die jungen Stimmen meist nur projektweise zusammenfinden.
Alles in allem ist so ein schöner Beitrag zur Geburtsstunde eines neuen Labels entstanden.
Carl Philipp Emanuel Bach: Lukas-Passion
CD- Neuerscheinung, Label: Glor classics
www.klassik.com vom 16. März 2009
(von Gabriele Pilhofer)
Ein weiteres Puzzlestück
Nach und nach, Stück für Stück wird ihnen Leben eingehaucht, den lange als verschollen verbuchten Werken der Berliner Sing-Akademie,[...]. Aus den weit über 5000 Partituren hat sich Joshard Daus, der ehemalige Direktor der Berliner Sing-Akademie, die Lukas-Passion aus dem Jahr 1787 von Bachs zweitältestem Sohn Carl Philipp Emanuel (1714–1788) herausgefischt und diese zusammen mit Gesangssolisten und der von ihm gegründeten EuropaChorAkademie in Begleitung der Mendelssohn Symphonia aufgeführt. In Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk ist sie als Weltersteinspielung bei GLOR Classics auf CD erschienen. Mit dabei: eine Bonus-DVD für diejenigen, die Daus und seine Klangkörper ,live und in Farbe‘ erleben wollen.
Fans des ,Hamburger‘ Bachs dürfen sich bei seiner letzten Passion auf genau das freuen, was sie bei anderen Kirchenmusikwerken von ihm kennen und lieben: wunderschön gesangliche Melodien in den Arien und Chören, einfache, aber effektvolle harmonische Abläufe sowie innige Streicherbegleitungen, kurz: den galanten, empfindsamen Stil seiner Zeit, aber mit seiner unverwechselbaren, vollendeten Handschrift. [...] Auf all diese Elemente muss man auch bei dieser Aufnahme nicht verzichten.
[...]
Aber sonst: Das musikalische Niveau der EuropaChorAkademie ist hoch und ihr Klang aufgrund der durchweg jungen, international bunten Besetzung frisch und angenehm. Die Balance zwischen dem motivierten Orchester und den Vokalisten ist ausgewogen, das Klangbild durchaus satt und präsent. Auch wenn die Phrasierungen in den Chorälen mitunter arg eigenwillig geraten sind, merkt man Daus erstens die Begeisterung für dieses Werk an und ist ihm zweitens eine überwiegend solide, gut durchhörbare Interpretation gelungen. [...]
Unterm Strich also: Bekäme Carl Philipp Emanuel die CD in die Hände, er wäre bestimmt stolz – auf sich und auf die Beteiligten.
Vladimir Martynov- Vita Nuova
EuropaChorAkademie in London und New York mit einer Welturaufführung
18. Februar 2009 – London, Royal Festival Hall
28. Februar 2009 – New York, Alice Tully Hall, Lincoln Center
The New York Times vom 01. März 2009
(von Anthony Tommasini)
Love Poems With Musical Annotation
One positive thing can be said about the American premiere of Vladimir Martynov’s “Vita Nuova” at Alice Tully Hall on Saturday night: The London Philharmonic Orchestra, the fine vocal soloists and the EuropaChorAkademie all sounded terrific in the impressively renovated hall.
[...] Champions of Mr. Martynov’s music might describe his opera — adapted from Dante’s “Vita Nuova,” a collection of poems about the youthful author’s love from afar for the unattainable Beatrice — as defiantly polystylistic. But the way Mr. Martynov juxtaposes a mishmash of styles — evocations of Russian chant, Renaissance sacred music, Wagnerian Romanticism, riffs on Strauss, atonality, brutal volleys of percussion and numbing Minimalism — leaves you feeling snookered.
Though this opera was commissioned in 2002 by the Maryinsky Opera Theater in St. Petersburg, there appears to be no plan to produce it there. The dynamic Russian conductor Vladimir Jurowski, the London Philharmonic’s principal conductor since 2007, gave the premiere of the piece in a concert performance last month in London and brought his forces to New York for Saturday’s program, a major event in Alice Tully Hall’s Opening Nights Festival.
The project had intriguing possibilities. Interspersed among the love poems in “La Vita Nuova” are Dante’s complex commentaries. The work is “a text about a text about love,” as Mr. Martynov has commented. In that vein his adaptation is an “opera about the history of opera as the most important genre in European culture,” in his words.[...]
Wiener Zeitung vom 20. Februar 2009
(von Jörn Florian Fuchs)
Auf Moderne folgt Tradition
Eine echte Provokation für Neutöner stellt die Position des russischen Komponisten Vladimir Martynov (Jahrgang 1946) dar. Weil laut Martynov alle Stile bereits durchlaufen seien, gebe es keinen Fortschritt und damit auch keine Komponisten mehr. Wer heute Musik schreibt, ist für Martynov eine Art Durchlauferhitzer der Tradition.
[...]
Martynov und Librettist Edward Boyakov erzählen Dantes spirituelle Liebesgeschichte "La Vita Nuova" nach. Der Dichter selbst tritt auf, betet seine Wunschmaid Beatrice an, ist untröstlich, als diese hinscheidet, und wird zuletzt aufs Jenseits verwiesen. Hinzu kommen Auszüge des alttestamentarischen Hohelieds der Liebe und lateinische Liturgietexte. Sehr ernsthaft ist das alles angelegt; man braucht schon Geduld und innere Einkehr, um das Gemisch aus Musiktheater und Oratorium goutieren zu können.
[...]
Ausgezeichnet war vor allem Mark Padmore als Dante, Tatiana Monogarova bot überzeugend das Traumwesen Beatrice, exzellent auch die EuropaChorakademie unter Joshard Daus. Nicht ganz so inspiriert musizierte leider das London Philharmonic Orchestra unter Vladimir Jurowski.
The Times vom 20. Februar 2009
(von Richard Morrison)
Vita Nuova at Festival Hall
[...]
Padmore sang brilliantly. Tatiana Monogarova and Joan Rodgers added soprano lustre. The Europa Chor Akademie supplied excellent chorus work and baffling movements. [...]
Bernd Alois Zimmermann: Requiem für einen jungen Dichter
CD- Neuerscheinung, Label: Cybele Records
das Orchester vom 01. März 2009
das Orchester (von Christoph Schulte im Walde)
Rezensionen: CDs
Bernd Alois Zimmermann: Requiem für einen jungen Dichter
Bald vierzig Jahre alt, aber nicht einen Moment lang veraltet: Bernd Alois Zimmermann schrieb sein Requiem für einen jungen Dichter im Angesicht jener Zivilisation, in der er lebte und deren krisenhaften Zustand er als ungeheuerlichen Skandal empfunden haben muss. [...]
Fragmentarisch einmontierte Reden von Imre Nagy, Neville Chamberlain, Adolf Hitler u.a., Musikzitate von Beethoven, Messiaen und den Beatles ergeben ein überaus vielschichtiges Klangereignis von großer emotionaler Kraft.
Genau diese ist in der vorliegenden Neuaufnahme ganz unmittelbar wirksam. Wenn dreizehn Minuten nach Beginn des Werks die versammelten Stimmen der Chöre ein erstes „Requiem“ hinausschreien, geht das, ohne erst den Verstand zu befragen, direkt unter die Haut – eine Spannung, die bis zum Schluss nicht abfällt, bis zum geradezu explosiven, ja völlig verzweifelt hinausposaunten „Dona nobis pacem“. Zimmermanns Requiem, dieses Fanal für ein humanes Miteinander, verweigert irgendeine heilsgewisse Tröstung. Der (nicht nur theologische) Gedanke an Erlösung ist völlig ausgespart. Ein Werk also, an dem man sich reiben, an dem man sich abarbeiten und mit dem man sich intensiv auseinandersetzen kann.
Dazu ist diese neue Produktion ganz besonders geeignet. Weil erstens Zimmermanns Partitur einfach grandios umgesetzt wird, wofür Dirigent Bernhard Kontarsky und alle Interpreten nicht hoch genug gelobt werden können. Weil zweitens die Aufnahmetechnik ein packendes Erleben garantiert: Zimmermanns Anweisung über die räumliche Verteilung der Ausführenden wird erstmals auf CD erfahrbar- ein entsprechendes Equipment vorausgesetzt, das die SACD-Qualität wiedergibt und die Tiefendimensionen und den Raumklang hundertprozentig umsetzt.
Aber es ist drittens auch die vorbildliche Ausstattung dieser CD. Patrick van Deurzen schreibt einen ganz ausgezeichneten einführenden Text, der sehr ins Detail geht und den Hörer quasi „an die Hand nimmt“. [...]
www.klassik.com vom 29. November 2008
(von Dr. Stefan Drees)
Ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts
Es gibt Kompositionen, die, hat man sie einmal gehört, sich nicht wieder aus dem Gedächtnis verdrängen lassen. Ein solches Werk ist Bernd Alois Zimmermanns 'Requiem für einen jungen Dichter' (1967–69), eines der Schlüsselwerke jüngerer Musikgeschichte. Wer sich dieser Musik bislang nähern wollte, konnte dies zwar anhand eines auf LP erschienenen dokumentarischen Mitschnitts unter Michael Gielen vom Holland-Festival 1971 sowie anhand der beiden bekannteren CD-Produktionen unter Leitung von Gary Bertini (Wergo, 1989) und Michael Gielen (Sony, 1995) tun. Keine der zuletzt genannten Einspielungen, so sehr sie auch in diskografischer Hinsicht zu begrüßen waren, hat indes mehr als einen Bruchteil von der komplexen räumlichen Konzeption vermittelt, die als fester Bestandteil von Zimmermanns Komposition untrennbar im Werkganzen verankert ist. So kommt es schon einer kleinen Sensation gleich, wenn das Label Cybele eine Neuaufnahme des 'Requiems' auf SACD vorlegt, die eben genau dies leistet und – in einer schlichtweg überwältigenden Produktion – dabei wahrhaft Unerhörtes zu Tage fördert.
[...]
Die Besonderheit dieses Verfahrens liegt in der räumlichen Anordnung der verschiedenen Klanggruppen, ihrer Aufstellung um das Auditorium herum, die dazu führt, dass das Publikum permanent von Klängen umkreist wird. Was eine Stereo-Aufnahme nicht nachvollziehen kann, wird im 5.0-Surround-Sound der SACD zum eigentlichen Erlebnis: die Konstruktion eines veränderlichen, aus Sprache und Klang gefügten Hörraums, der den Hörer zum eigentlichen Mittelpunkt macht. Diese Wirkung ist nun – eine entsprechende Anlage vorausgesetzt – vom Konzertsaal ins heimische Wohnzimmer transportierbar und verblüfft mit ihrer enormen Intensität. Obgleich die vielfachen Überlagerungen der von Zimmermann komponierten Schichten sich generell gegen eine genaue Entschlüsselung sträuben und Bedeutung gerade durch ihr zufälliges Aufeinandertreffen gewinnen, sind Klangergebnis und Sprachpräsenz um vieles deutlicher, als man dies von den bisherigen Einspielungen gewohnt ist.
Aufnahme
Der Produktion liegt eine Live-Aufnahme zugrunde, die am 23. Juni 2005 im Concertgebouw Haarlem (Niederlande) aufgezeichnet wurde. Dass man dabei von Anfang an sowohl in Bezug auf die räumliche Anordnung von Lautsprechern, Solisten und Klanggruppen als auch im Hinblick auf die Einstudierung und Wiedergabe des Werkes mit größtmöglicher Sorgfalt verfahren ist, davon legt das klingende Ergebnis Zeugnis ab. Die musikalische Umsetzung unter Leitung von Bernhard Kontarsky nimmt einerseits durch Klarheit, andererseits aber auch durch große Subtilität für sich ein: Der Dirigent handhabt die riesige Besetzung – es musizieren Claudia Barainsky (Sopran), David Pittman-Jennings (Bariton), der Tschechische Philharmonische Chor Brno, der Slowakische Philharmonische Chor, die EuropaChorAkademie, das Eric Vloeimans Quintet, Jan Hage (Orgel) sowie die Holland Symfonia – wie eine überdimensionale Farbpalette und setzt die unterschiedlichen Qualitäten sehr gekonnt gegeneinander ab, lässt stellenweise kantig gemeißelte Orchesterparts gegen klanglich vielfach gestaffelte Chorpassagen prallen und leitet aus diesen Wechselwirkungen die Spannungsverläufe für die gesamte Wiedergabe ab.
[...]
Dass man mit der Wucht des 'Requiems' nicht allein gelassen wird, dafür sorgt ein exzellentes 76-seitiges Booklet, das sich der Zimmermannschen Komposition auf unterschiedliche Weise nähert. [...]
[...]Ich halte es daher keinesfalls für übertrieben, die SACD als eine der wichtigsten Veröffentlichungen der vergangenen Jahre überhaupt zu bezeichnen; sie sei jedem Hörer, der sich für neuere Musik interessiert, als absolute Empfehlung ans Herz gelegt.
Hector Berlioz: Grande Messe des Morts op. 5
CD- Neuerscheinung, Label: Glor classics
www.klassik.com vom 20. Januar 2009
(von Dr. Stefan Drees)
Die Posaunen des jüngsten Gerichts
Eigentlich ist das Medium SACD ideal für Werke mit räumlicher Disposition, und so verwundert es nicht, dass binnen kurzer Zeit gleich zwei Einspielungen der 'Grande Messe des Morts’ op. 5 von Hector Berlioz erschienen sind, die sich der technischen Mittel bedienen,um die komplexe Struktur des mitkomponierten Raumes adäquat darzustellen: Nämlich die historische Aufnahme mit Colin Davis und dem London Symphonie Orchestra & Chorus aus dem Jahr 1969 (Pentatone Classics) sowie die aktuelle Neuproduktion mit der EuropaChorAkademie und dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg unter Leitung von Sylvain Cambreling – letztere bei Glor Classics, einem Label, das sich seit kurzer Zeit dem von Joshard Daus gegründeten und geleiteten Chor widmet.
Das Requiem, das Berlioz 1837 für eine Aufführung im Invalidendom schuf, ist ein beredtes Zeugnis für die Instrumentationskunst des Komponisten, aber auch für das dramaturgische Gespür, mit dem er hier einerseits sehr feine Wirkungen zeichnet, andererseits aber auch mit massiven Ballungen und Überwältigungsstrategien arbeitet. [...]
Dennoch geraten solch monumentalen Momente sehr differenziert: Die Aufnahmetechnik macht die Raumklang-Dramaturgie dieses Abschnitts, aber auch jene so ganz anders gearteten des 'Rex tremendae’, des 'Lacrimosa’, des 'Hostias’ und des 'Agnus Dei’ hautnah erlebbar.
Die Wirkung wird dadurch verstärkt, dass Cambreling die Riesenbesetzung von über zweihundert Mitwirkenden sehr gut zusammenhält. [...]
Doch die Einspielung hat noch viel mehr starke Momente, so etwa den Beginn, der allmählich aus dem Nichts herauswächst und in mehreren Anläufen anhebt, um schließlich den harmonischen Untergrund für den Einsatz des Chores zu schaffen. Der 'Requiem’-Satz mit seinen spannungsreichen Generalpausen und chromatischen Seufzern gehört überhaupt zu den faszinierendsten Teilen der Platte, zeigt in Orchester und Chor eine bis ins Geheimnisvolle gesteigerte Differenzierungsfähigkeit, mit Wissen um die kleinsten Farbwerte bei Aufhellungen oder Abdunklungen gezeichnet. Cambreling überzeugt hier mit einem ausgeklügelten Klangkonzept und spornt alle Mitwirkenden zu Höchstleistungen an.
Insbesondere die Leistungen der jungen Sängerinnen und Sänger sind beeindruckend, mit unverbrauchtem und frischem Chorklang beweisen sie immer wieder ihre Wandlungsfähigkeit. Klanglich nachdrücklich wirkt etwa die auf ein leises Murmeln reduzierte Vokalebene am Ende des 'Kyrie’, stark ist das klare a-cappella-Fugato des 'Quaerens me’, grandios sind aber auch die Ostinati im 'Dies irae’ oder die vielen Nuancen im 'Offertorium’. Da Cambreling bei den Ausbrüchen kontrolliert bleibt und den differenzierten Zugang auch dann beibehält, wenn die Massierung von Instrumenten vorherrscht, ergeben sich im Zusammenwirken von Chor und Orchester eine Reihe nachdrücklicher Situationen wie das Alternieren von Vokalisten und tonräumlich weit gespreizten Bläserakkorden zu Beginn des 'Agnus Dei’ oder die Nadelstiche des 'Lacrimosa’, dessen seltsam brodelnde Statik elektrisierend umgesetzt und in großbögige Steigerungswellen eingebettet ist.
Teilweise sind die Tempi etwas straffer als in anderen Aufnahmen, teils lässt sich der Dirigent aber auch – so in den leisen, dem Chor anvertrauten Teil wie dem 'Agnus Dei’ – sich mehr Zeit, um den Klängen nachzulauschen. Wie Cambreling hierbei die Spannung zu erhalten weiß, erfährt man vor allem am Ende der Komposition in den leise verebbenden Klängen.[...]
Weihnachten in Europa und aller Welt
Chormusik und Literatur zur stillen Zeit des Jahres
08. Dezember 2008 – Bremen
10. Dezember 2008 – München
14. Dezember 2008 – Wiesbaden
15. Dezember 2008 – Berlin
19. Dezember 2008 – Vilnius, Litauen
Wiesbadener Kurier vom 16. Dezember 2008
(von Daniel Honsack)
Festliches in fremder Sprache
Weihnachtskonzert der Europachorakademie im Kurhaus
WIESBADEN Weihnachten ist Thema in aller Welt, und überall wird das Fest ein wenig anders gefeiert. [...]
Die Qualität der Kooperation aus der Mainzer Universität und Hochschule Bremen hat sich mittlerweile in Wiesbaden herum gesprochen, so dass der Thiersch-Saal gut besucht war. Als Dirigenten wechselten sich Povilas Gylys aus Litauen, Wieslaw Delimat aus Polen und ECA-Chef Joshard Daus ab. Weihnachtliche Texte aus den Ländern trug der Chefdramaturg des Berliner Ensembles, Hermann Beil, vor.
Insbesondere die unbekannten Klänge machten neugierig. Wer weiß schon, wie in Litauen oder Polen die Heilige Nacht besungen wird? Einer der Komponisten, die sich in der kleinen baltischen Republik einen großen Namen erarbeitet haben, ist Vytautas Miskinis. Der Chorleiter hat neben zahlreichen eigenen Werken auch anspruchsvolle Arrangements bekannter Titel geschrieben. Die komplexen Harmonien, die dabei entstehen, konnte die Europachorakademie an diesem Abend sehr gezielt durchleuchten. Klare, warme Chorfarben dominierten meist, wenn die Sängerinnen und Sänger in der ungewohnten Sprache auf Klangwelten stießen, die eine eigentümliche Kombination aus seltsam bekannten und fremden Wendungen aufweisen.
Generell ist der Chor ungemein leistungsfähig. Stringente dynamische Wandlungen etwa sind jederzeit möglich, ohne je die klangliche Homogenität, die auch mit dem sehr ausgewogenen Stimmenverhältnis einher geht, zu gefährden. [...]
Originell der Abschluss mit "American Christmas", einem Medley aus bekannten transatlantischen Klassikern, zusammen geführt für die Europachorakademie und den Tenor Tony Henry von Matthias Keller. Außerdem beteiligten sich Schülerinnen und Schüler der Integrierten Gesamtschule Mainz-Bretzenheim, die das Stück im Rahmen von "Erlebnis Musik", einem Angebot der Europachorakademie, erarbeitet haben.
Michael Gielen dirigiert Mozart, Strawinsky und Schönberg
21. November 2008 – Saarbrücken, Congresshalle
22. November 2008 – Glocke, Bremen
23. November 2008 – Essen, Philharmonie
Weser Kurier vom 24. November 2008
(von Éva Pintér)
Klangschöne und präzise Leistung
EuropaChorAkademie in der Glocke
BREMEN. Michael Gielen - mit dem Namen dieses Altmeisters verbindet man Wiedergaben, die stets von bestechender struktureller Transparenz und zugleich von immenser Dramatik geprägt sind. So war es auch beim Konzert in der Glocke mit der EuropaChorAkademie (Einstudierung: Joshard Daus) und der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern: Der 81-jährige Gielen faszinierte wieder einmal durch seine tiefgreifende, intensive musikalische Deutung, und dies schon im Einleitungsstück, der "Maurerischen Trauermusik" .[...]
Nach der Pause erklang zunächst der leider viel zu selten zu hörende "Psalm 1" op. 50c von Arnold Schönberg in einer Wiedergabe, deren Suggestivität bis zum Ende sich zu steigern vermochte. Ein besonderes Erlebnis war danach die "Psalmensymphonie" von Igor Strawinsky in Michael Gielens Auffassung: Im ersten Satz wechselten flehende Motive mit geradezu praller Lebendigkeit; meisterhaft danach die texturelle Klarheit im zweiten Satz. Den Schlusssatz dirigierte Gielen in einem recht langsamen Tempo - aber gerade dadurch gewann dieser Lobgesang jene düster-feierliche Atmosphäre des Rituellen, die solche Werke von Strawinsky so erschütternd macht. Wie im ersten Teil bot auch hier die bestens vorbereitete EuropaChorAkademie eine klangschöne, homogene, in der Textartikulation präzise Leistung.
Johann Sebastian Bach - Johannes-Passion
16. März 2008 – Kurhaus, Wiesbaden
17. März 2008 – Glocke, Bremen
20. März 2008 – Philharmonie, München
21. März 2008 – Philharmonie, Berlin
Weser Kurier vom 20. März 2008
(von Simon Neubauer)
Schlichte Verkündigung bei wenig Dramatik
EuropaChorAkademie bot unter Joshard Daus in der Glocke J. S. Bachs Johannespassion
BREMEN. Zwischen dem dreimaligen Chor-Ruf "Herr" und dem Epilog mit der Mitteilung, dass die "göttlichen Gebeine" nun zur Ruhe gebettet sind, vollzieht sich ein die Menschheit veränderndes Drama. Geschrieben wurde es von einem Beteiligten, Jesu Lieblingsjünger Johannes, vertont von Johann Sebastian Bach, dem es hier auf bewunderungswürdige Weise gelang, protestantische Kirchenmusik mit Elementen der italienischen Oper zu verschmelzen. Johannes führt ein Wort der Empörung, der tiefen Betroffenheit, des Schmerzes, das zu scharfen Gegensätzen zwingt. Nun ist Joshard Daus nicht gerade ein Dirigent, der das Äußerste wagt, sondern der bei der Aufführung durch die EuropaChorAkademie vielmehr der traditionellen Oratorienpassion folgt. Bei gemäßigten Tempi glich seine Wiedergabe im orchestralen und solistisch vokalen Teil mehr einer sonoren Verkündigung, weniger dem Furor dramatischer Ereignisse.
Wesentlich anders jedoch im chorischen Bereich. Selbst wenn auch hier die Gefahren einer werkfremden Theatralik weit ausgegrenzt blieben, herrschte eine spürbare Erregung, die dem Geschehen um Christi Leiden und Sterben eine eindringliche, fast szenische Bildhaftigkeit sicherte. Denn die in Intonation, gerundetem Wohlklang und der Ausdrucksgestaltung von Joshard Daus bestens geschulte und stilsicher geführte EuropaChorAkademie war dem Aufruhr der Turbae, dem emphatisch-polyphonen Ton der Hohepriester und dem lüsternen Kreuzigungsbegehren des Volkes ebenso gewachsen wie der spitzzüngigen Behendigkeit der um Christi Rock losenden Kriegsknechte. Die kommentierenden, tröstenden und von Mitleiden geprägten Choräle wurden besonders warm intoniert und stimmungsvoll dem jeweiligen Vorgang der Passion angepasst.
Die Chöre argumentierten also dramatisch bewegt. Das Mitteilungsbestreben ist auch der Mendelssohn-Symphonie zu attestieren, die allerdings erst nach verschwommenem Beginn zu achtbarer Prägnanz der instrumentalen Diktion fand. Die Soli hatten beim Umhüllen und Einbetten der Arien hohes Niveau, besonders als Sara Ruiz die Viola da Gamba spielte. Thomas Dewald ist gewiss nicht der ideale Evangelist, weil es mittlerweile seinem Tenor an lyrischem Schmelz, an Wärme und freier Höhe mangelt. Er zog sich deshalb auf den Ton des neutralen Berichterstatters zurück, der sein Mitgefühl leider auch in den schmerzenden Ariosi über Gebühr im Zaum hielt. In den Arien fand er ebenfalls nur begrenzt Zugang zur Bachschen Affektmelodik. Karsten Mewes sang die Christusworte sicher mit der wissenden Schwere der Worterfüllung, würdig, aber nicht gerade mit Hoheit, wie sich in den Gesprächen mit Pilatus zeigte.
Da blieb dann auch Hans Christoph Begemann bei gegebener Neutralität zu klangkarg, doch die Bass-Arien formte er klangschön und stilistisch ausgefeilt. Frederika Brillenbourg, in der ersten Alt-Arie noch etwas zu "schlank" fand dann schließlich in der Zeile "Es ist vollbracht" den ergreifenden Ausdruck tränenlos verwehenden Schmerzes. Fionnuala McCarthy wollte ihre Erfahrung als gereifte Opernsängerin nicht verleugnen, schenkte den Sopranarien Fülle und innerliche Bewegtheit. Joshard Daus hielt nach dem Schlussakkord die Arme lange hoch und zwang dadurch zum Innehalten vor dem Applaus in der nur mäßig besetzten Glocke.
Wiesbadener Kurier vom 18. März 2008
(von Daniel Honsack)
Pointierte Passion im Kurhaus
Die kleine Besetzung erwies sich als eine kluge Entscheidung. Joshard Daus hat aus der Europa-Chor-Akademie einen schlanken Kammerchor herausgeschält und samt Mendelssohn-Symphonia eine pointiert formulierte Johannes-Passion einstudiert.
Im Wiesbadener Kurhaus erklang Bach in fast asketischer Klarheit. Daus legte Wert auf gut nachhörbare Strukturen, verzichtete auf plakative Effekte. Ungewohnt langsam der Einstiegschor "Herr, unser Herrscher", disziplinierte Aufgeregtheit im "Bist du nicht seiner Jünger einer".
In den Chorälen überzeugte der Chor mit homogener und emotionaler Gestaltung. Das Orchester begleitete unaufdringlich, zeigte dennoch Präsenz. Thomas Dewald (Tenor) versah als Evangelist seinen Bericht mit überzeugenden dramatischen Spannungsbögen.
E. W. Korngold: Das Wunder der Heliane
21. November 2007 – Royal Festival Hall, London
The Times vom 23. November 2007
(von Neil Fisher)
Das Wunder der Heliane
[...]
The singing, too, grew in power as we reached the redemptive finale. The chorus (the Europachorakademie) sang their socks off. Andreas Schmidt’s King finally started to project beyond gruff, bluff mannerisms. Michael Hendrick’s valiant Stranger came good where it really counted, when he implausibly came back to life and blasted the King off his throne. And while Patricia Racette’s soft-grained Heliane lacked something in vocal power, her sensitive, intelligent singing did offer a real emotional thread to cling on to. Eighty years on, not just a necessary premiere: at best, an intoxicating one.
Francis Poulenc - Stabat mater
Anton Bruckner - Messe Nr. 3 f-Moll
04. November 2007 – Philharmonie, München
05. November 2007 – Kurhaus, Wiesbaden
06. November 2007 – Philharmonie, Berlin
08. November 2007 – BLG-Forum, Bremen
Wiesbadener Tagblatt vom 07. November 2007
(von Axel Zibulski)
Ungewohnt junges Publikum für Daus
Europa-Chor-Akademie strahlt im Kurhaus
Die Europa-Chor-Akademie und die Nordwestdeutsche Philharmonie Herford unter Joshard Daus brachten Francis Poulencs "Stabat mater" zu Gehör. Das Stück ist ein ebenso kontraststarkes wie stilistisch vielfältiges Werk: Fast schon chansonhafte Passagen gibt es darin, aber eben auch tief kontemplative Momente. Schließlich war es der plötzliche Tod eines Freundes, der 1950 den französischen Komponisten zu diesem "Stabat mater" veranlasste. Im Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses erklang außerdem Anton Bruckners Messe Nr. 3 f-Moll für Soli, Chor und Orchester, ebenfalls begleitet von der Nordwestdeutschen Philharmonie Herford.
Seit zehn Jahren gibt es die Europa-Chor-Akademie, die ihren Sitz an den Universitäten in Mainz und Bremen hat, und die projektweise mit vorwiegend jungen Sängerinnen und Sängern arbeitet. In Wiesbaden, wo man bereits mehrfach gastierte, sorgte dieses jüngste Konzert nur für ein mittleres Publikumsinteresse. Doch an der hohen Qualität des von Joshard Daus einstudierten Chors sollte dies natürlich nichts ändern. So war der Gesamtklang selbst bis in die feinen Piano- und Pianissimo-Abstufungen von Poulencs "Stabat mater" rund, warm, wo nötig auch strahlend, dabei durchweg ausgewogen und geschlossen.
Diese Qualitäten kamen auch in Anton Bruckner großformatiger, 1872 uraufgeführter und vom Komponisten später mehrfach revidierter f-Moll-Messe zum Tragen: Denn Joshard Daus ließ die durchaus an spätere Sinfonien erinnernden kräftigen Passagen der Blechbläser so dezent und zurückhaltend wie möglich spielen und sorgte dafür, dass das um die Kurhaus-Orgel erweiterte Orchester äußerst zurückgenommen die Chor-Akademie begleitete. Mit intonatorischen Freizügigkeiten ergänzten die Solisten Gabriela Künzler (Alt) und Peter Mikulas (Bass) die Aufführung. Mit bisweilen zu dramatischem Ansatz sang Sopranistin Claudia Barainsky, vorzüglich klang der Tenor von Christian Elsner. Starker Applaus zum Abschluss des Abends von einem ungewohnt jungen Kurhaus-Publikum.
Carl Philipp Emanuel Bach - Lukas-Passion
Wolfgang Amadeus Mozart - Requiem d-Moll
02. April 2007 – Glocke, Bremen
05. April 2007 – Kurhaus, Wiesbaden
06. April 2007 – Philharmonie, Berlin
Wiesbadener Kurier vom 10. April 2007
Mainzer Allgemeine Zeitung vom 07. April 2007
(von Axel Zibulski)
Die verlorene Lukas-Passion
Werk des Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel in Wiesbaden aufgeführt
In den letzten 20 Jahren seines Lebens wirkte der Zweitälteste Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel in herausgehobener kirchenmusikalischer Position in Hamburg. Seine Werke aus dieser Zeit galten seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen, waren die Handschriften doch Teil jenes Archivs der Singakademie zu Berlin, das 1943 aus der Haupt-Stadt ausgelagert und bei Kriegsende als so genannte Beutekunst nach Kiew gelangt war. Vor sechs Jahren gab die Ukraine das umfangreiche Archiv, in dem sich auch Kompositionen Telemanns sowie Briefe von Goethe befinden, an die Sing-Akademie zurück. Deren Leiter war zu dieser Zeit der Dirigent Joshard Daus.
Seither erarbeitet Daus auch mit der gemeinsam von den Universitäten in Mainz und Bremen getragenen EuropaChorAkademie die wiederentdeckten Werke Carl Philipp Emanuel Bachs. Erst kürzlich ist eine CD mit der Markus-Passion dieses zweitältesten Sohns von Johann Sebastian Bach erschienen; im Wiesbadener Kurhaus stellte man jetzt mit Vokalsolisten und der MendelssohnSymphonia die Lukas-Passion in der Fassung von 1787 vor. Dass Carl Philipp Emanuel Bach seine Passionen eher aus Pflicht als aus Neigung, komponierte, ist freilich kein Geheimnis. Er, den seine freieren Passionskantaten wohl mehr am Herzen lagen, hatte in Hamburg alle Jahre weder die Passion eines der vier Evangelisten zu vertonen. Somit war nach vier Jahren wieder der selbe Evangelistentext an der Reihe, und Bach griff jeweils, also auch im Fall der Lukas-Passion, auf seine älteren Vertonungen zurück, nahm aber Änderungen und Modernisierungen vor. In der nun im Kurhaus zu hörenden Letztfassung des Werks war dies besonders in den Arien nachzuvollziehen: Statt barocker Verzierungskunst herrscht in ihnen ein eingängiger, liedhafter Tonfall vor.
Der Bariton Wolfgang Newerla konnte diesen noch eine Spur empfindsamer, unprätentiöser vermitteln als der eher schmale, flach klingende Tenor von Thomas Dewald. Im Zentrum der Passion, die nur eine knappe Stunde Aufführungsdauer umfasst, steht natürlich der Evangelist: Countertenor Daniel Gloger gestaltete seinen Part nicht als nüchternen Bericht, sondern mit Leidenschaft, dabei stets textverständlich.
Einmal mehr erwies sich die EuropaChorAkademie als vorzügliches, hier besonders in der so geschlossen klingenden, plastischen Phrasierung der Chorsätze überzeugendes Vokalensemble, während die MendelssohnSymphonia nach anfänglichen Irritationen bei den Streicher-Einsätzen eher unauffällig begleitete. An die Lukas-Passion schlossen sich unmittelbar die beiden letzten Chöre aus der Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach an; eine kleine Reverenz an den Vater, dessen Ästhetik dem Sohn freilich fremd geworden war. Ihm nahe stand dafür Wolfgang Amadeus Mozart, der Carl Philipp Emanuel Bach sehr schätzte. Eine passende Ergänzung bot daher im zweiten Konzertteil die Aufführung von Mozarts Requiem d-Moll KV 626, in der neben der EuropaChorAkademie zwei Sänger des Solistenquartetts für eine geschmackvolle Interpretation sorgten, nämlich die Sopranistin Claudia Barainsky sowie der Bass Rarsten Mewes. Das Ensemblemitglied des Mainzer Staatstheaters hatte schon die Jesus-Worte der Lukas-Passion höchst markant und eindringlich gestaltet.
Berliner Morgenpost vom 10. April 2007
(von Tar)
Entdeckung: Die Lukas-Passion des Bach-Sohnes
Joshard Daus ist ein Selfmademan von hohen Graden. Nachdem er sich aufgrund prinzipieller Meinungsverschiedenheiten von der Sing-Akademie zu Berlin verabschiedet hat, setzt er mit der von ihm gegründeten EuropaChorAkademie das Passionsprojekt "Carl Philipp Emanuel Bach" fort. Auch die begleitende MendelssohnSymphonia ist eine Gründung von Daus. Nur die zu Gehör gebrachte Lukas-Passion stammt nicht von ihm, sondern eben von Bachs zweitältestem Sohn. Sie gehört zu dem Konvolut von gut 5000 Partituren, die Kiew vor fünf Jahren der Sing-Akademie zurückgegeben hat. Daus führte aus diesem Schatz bereits mehrere Passionen von C. P. E. Bach auf. Die Lukas-Passion von 1787, seine letzte, gefällt durch ihren mal trostreichen, mal elegischen Choralton, verrät durch das Wirrwarr der Turbachöre und drängende Streicherfiguren die Handschrift dieses Komponisten schnell, leidet aber unter zu langen Rezitativen. Im Kammermusiksaal litt sie außerdem unter der Formkrise des Sängerensembles. Nur der eingesprungene Karsten Mewes überzeugte als kraftvoller, in der Rolle Jesu fast zu starker Bariton. Sehr dicht und transparent der Klang des Chores. Er darf zum Schluss zwei Sätze aus der "Johannes-Passion" von Johann Sebastian singen. Wir aber blicken ein wenig meinungslos nach vorn: 17 Passionen dieser Art liegen noch im Archiv. Ihre Aufführung wäre eine kulturelle Tat, dürfte aber unserem Bild vom Sakralkomponisten C. P. E. Bach keine neuen Aspekte hinzufügen.
Weser Kurier vom 06. April 2007
(von Ingo Ahmels)
Chorakademie konnte überzeugen
Generalprobe in der vollen Glocke
Unter dem Label EuropaChorAkademie unterhalten die Hochschule Bremen und die Mainzer Johannes Gutenberg-Universität seit zehn Jahren gemeinsam ein vom Dirigenten Joshard Daus gegründetes internationales Musikforum, das darauf zielt, den europäischen Nachwuchs in Chorgesang und Dirigieren auszubilden. Zu den Projektpartnern der Akademie gehörten Dirigenten mit internationaler Ausstrahlung (Michael Gielen, Simon Rattle, Kent Nagano und andere), das Spektrum umfasst Chorsinfonik von Bach bis Strawinskij.
Glänzend in Form:
Kein Konzertsaal von der Carnegie Hall bis zur Glocke scheint mehr sicher vor dem hochmotivierten Trupp europäischer Chor-Akademiker, und sogar eine Tournee durch China steht an. So sahen und hörten Delegierte aus der Volksrepublik genauestens die als öffentliche Generalprobe vor vollem großen Glockensaal präsentierten Resultate der aktuellen Arbeitsphase. Und weder die Chinesen noch die zahlreichen anderen Zeugen des Abends mit Carl Philipp Emanuel Bachs Lukas-Passion (1787) und Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem (1791) wurden enttäuscht. Die fast 50 männlichen und weiblichen Sänger der ChorAkademie, die Gesangssolisten, das Orchester MendelssohnSymphonia und nicht zuletzt Dirigent Joshard Daus agierten gespannt-entspannt, waren glänzend in Form. Sowohl beim Bach wie auch beim Mozart ließen sich präzise Einsätze, die lebendige, werkadäquate Gestaltung sämtlicher dynamischer Verläufe, ein reiches Spektrum an Klangfarbe und die kraftvoll-pointierte Umsetzung der Notentexte zweier vorzüglicher Kompositionen bestaunen. Der Hamburger Bach, Carl Philipp Emanuel (1714-1788), war derjenige, den man bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts als "den großer Bach“ ansprach. Textverständlichkeit als Gebot. Sein komplexes Oeuvre strahlte auf die Wiener Klassik ab. Die Lukas-Passion ist dabei nur eine von über 20 seiner Passionen, die sich erst vor wenigen Jahren in dem aus der Ukraine nach Berlin rücküberführten "Archiv der Singakademie“ im Manuskript fanden. Das 45-minütige Werk betont das Narrative, Textverständlichkeit ist sein Gebot. Als gewöhnungsbedürftig, ja ablenkend erwies sich zunächst die Besetzung des Evangelisten mit einem Countertenor (Jochen Kowalsky). Doch der überzeugte schließlich. Blass blieb dagegen Tenor Thomas Dewald, ungleich präsenter und durchsetzungsfähiger wirkten Bariton Karsten Mewes (Jesus), Sopran Claudia Barainsky und (beim Mozart) Alto Claudia Rüggeberg. Die zum Schluss der Passion als Pasticcio und Reverenz an Johann Sebastian Bach eingefügten beiden Chorsätze aus dessen berühmter Johannes-Passion komplettierten das hörenswerte Werk. Nach der gleichfalls sehr überzeugend musizierten Wiedergabe des Mozart-Requiems wirkte diesmal besonders das soghaft treibende des Offertoriums noch lange nach. Derlei Klangkünste mögen durchaus imstande sein, Kinder der Kulturrevolutionen die vom Heiligen überstrahlten chorischen Erleuchtungen des guten, alten Europa zu leiten. Verdienter, lang anhaltender Applaus.
Johannes Brahms - Chorsinfonik
Nänie op.82; Gesang der Parzen op.89, Schicksalslied op.54
14. Februar 2007 – Glocke, Bremen
17. Februar 2007 – Philharmonie, Berlin
Weser Kurier vom vom 18. Februar 2007
(von Lisbeth Suhrcke)
Chor bestens auf Brahms eingestellt
Frühbeck de Burgos dirigierte in der Glocke
m Montag erst hatte Rafael Frühbeck de Burgos seine Vertragsverlängerung als Chefdirigent der Dresdner Philharmoniker unterzeichnet. Vielleicht wirkte er deshalb so entspannt, als er in der Bremer Glocke vor ein begeistertes Publikum trat. Vielleicht freute er sich auch einfach nur auf einen Brahms-Abend, der musikalisch reichhaltig werden sollte.
Zusammen mit dem Orchester aus der sächsischen Hauptstadt standen die Sängerinnen und Sänger der EuropaChorAkademie auf der Bühne, ein Ensemble, das schon manche Bekanntschaft mit namhaften Orchestern und ebensolchen Dirigenten machen durfte, Joshard Daus, der Gründer des Konzertchores, hatte durchaus solide Arbeit geleistet und seine Leute bestens auf die Chorsinfonik von Johannes Brahms eingestellt. Lautmalerei
Der Trauergesang Nänie op. 82, der Gesang der Parzen op. 89 und das Schicksalslied op. 54, alle drei Werke des ersten Konzertteils handeln vom unüberwindbaren Gegensatz zwischen Göttern und Menschen. Die Auseinandersetzungen zwischen Göttlichem und Irdischem - von Brahms lautmalerisch vertont - herauszuarbeiten, machte den Sängerinnen und Sängern sichtlich Spaß.
Göttliche Melodien erhoben sich lieblich gen Himmel, fast verstummende Abwärtsbewegungen verdeutlichten die menschliche Sterblichkeit, und die Furcht des Menschengeschlechts vor den Göttern steckte in messerscharfen Staccati, die durch Mark und Bein gingen.
Eindrucksvoller Chorklang
Der Gesamtklang des Chores wurde von Stück zu Stück eindrucksvoller, was Homogenität und Fülle anging. Schade, dass der erste Teil des Abends so schnell vorüber war.
... Das Publikum bedankte sich mit lang anhaltendem Applaus.
Dresdner Neue Nachrichten vom 14. Februar 2007
(von Alexander Keuk)
Ernstes Ringen mit dem Leben
Wenn in Dresden des 13. Februars 1945 gedacht wird, findet dies in jedem Jahr seinen Ausdruck nicht nur im stillen Gedenken, sondern auch im klingenden eines Konzertes. Zu diesem Anlass eignen sich nicht nur die Requiemkompositionen verschiedener Komponisten, auch die Musik von Johannes Brahms passt in ihrer nachdenklich-ernsten, aber eben oft auch trostvollen Weise zu diesem Anlass – die »weltlichen« Textgrundlagen verdeutlichen das Ringen des Menschen mit dem Leben. So wählte die Dresdner Philharmonie zu ihrem 6. Zykluskonzert Chor- und Orchesterwerke aus: am Montagabend erklang die 1. Sinfonie C-Moll, Opus 68, am Gedenktag die 3. Sinfonie F-Dur Opus 90. Gekoppelt waren diese Werke an seltener zu hörende Chorwerke mit Orchester, die aber gleichsam in der kleinen, kompakten Form Brahms' Meisterschaft in der Vokalkomposition wie in der Orchesterbehandlung darstellen. Der Chefdirigent Rafael Frühbeck de Burgos leitete das Programm, mit dem die Philharmonie übrigens in dieser Woche noch in Bremen und Berlin gastiert, mit »Nänie« (nach Schiller), Opus 82 ein. Die »EuropaChorAkademie« (Einstudierung: Joshard Daus) konnte hier wie in allen vorgestellten Chorwerken mit klarer Textverständlichkeit und unstrittiger Intonation überzeugen.
Frühbeck de Burgos modellierte die Werke deutlich, arbeitete in den a-cappella-Stellen die Phrasierungen heraus und sorgte für einen insgesamt warm klingenden Orchestersatz. Der einzige Makel, der sich besonders deutlich im »Schicksalslied« offenbarte, war eine Begrenzung im Legato-Strom des Chores. Einige Male versandeten die großen Bögen im Bemühen von zu deutlicher Deklamierung; in der letzten Strophe konnte man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass der natürliche Spannungsfluss ins Stocken geriet. Dennoch überzeugte diese Aufführung der Chorwerke durch viele gemeinsam ausgeführte Nuancen und einen angenehmen Gesamtchorklang.
Weihnachten in Europa
12. Dezember 2006 – Kurhaus, Wiesbaden
13. Dezember 2006 – Glocke, Bremen
19. Dezember 2006 – Philharmonie, Berlin
Wiesbadener Kurier vom 14. Dezember 2006
(von Daniel Honsack)
Weihnachtliche Vielfalt
Wenn Weihnachten vor der Tür steht, machen sich die Musiker im Land auf und stellen entsprechende Programm zusammen. Manche bedienen sich konsequent Klischees, andere versuchen mit manchmal absurd anmutenden Verrenkungen, etwas Besonderes zu bieten.
Aber zwischen kitschigem Gala-Getöse und radikalen Umdeutung gibt es noch eine Menge Platz. Dort hat sich die Europa-Chorakademie unter der künstlerischen Leitung von Joshard Daus in diesem Jahr eingerichtet. Im Thiersch-Saal des Kurhauses trat der Chor mit einem Streifzug durch litauische, polnische, spanische, französische und deutsche Weihnacht auf.
Es braucht ein besonders bereitwilliges Ensemble, um polnisch oder litauisch zu singen und dabei vor lauter sprachlicher Bemühungen nicht den musikalischen Aspekt aus den Augen zu verlieren. Die Europa-Chorakademie ist so ein Chor, dem man das zutrauen kann, immerhin ist Internationalität einer der Stützpfeiler dieser Institution ......... Das Ergebnis ist erstaunlich vielseitig geworden. Klanglich ließ sich der Chor von vier verschiedenen Dirigenten in ganz unterschiedliche Richtungen lenken. So wirkten sich Povilas Gylys` unaufgeregte und klare Angaben direkt auf den Chorklang aus. Mit großer Ruhe entwickelten die Sängerinnen und Sänger weich und stimmlich immer ausgewogen die zumeist zeitgenössischen Weihnachtslieder aus Litauen. Sehr effektiv gerieten auch die Schwerpunktsetzungen des Chorprofessors und Chefdirigenten des Vilnius Chores. Großformatiger legte der Pole Wieslaw Delimat, der selbst in der Europa-Chorakademie mitsingt, seine Interpretation an. Dabei gelang es ihm, den Chor zu einem erstaunlich präzise und lebhaft wiedergegebenen Volkslied mit dem schönen Titel „Pospieszcie pastuszki“ zu motivieren, das womöglich auch für seine Landsleute ein arger Zungenbrecher wäre.
Schließlich stellte Pablo Heras Casado, ebenfalls Mitsänger, spanische Werke des 16. Jahrhunderts vor. Bei einigen Sätzen von Poulenc, die nun Joshard Daus leitete, geriet der Chor an die Grenzen sauberer Intonation. Dirk Schortemeier lockerte das Konzert mit seinen Einführungen auf.
Glagolithische Messe – Leos Janacek
Te Deum – Anton Bruckner
06. Oktober 2006 – Glocke, Bremen
08. Oktober 2006 – Hoher Dom zu Mainz, Mainz
Mainzer Allgemeine Zeitung vom 10. Oktober 2006
(von Daniel Honsack)
Musikalische Verantwortung
Leos Janacek hat seine „Glagolithische Messe“ nie als eine religiöse Manifestation betrachtet. Vielleicht sah er vor allem die künstlerische Herausforderung. ......
Die Europa-Chor-Akademie und die Nordwestdeutsche Philharmonie stellten diese „unfromme Messe“ nun im Mainzer Dom dem „Te Deum“ von Anton Bruckner entgegen. Damit unterstützen die Künstler unter der Leitung von Joshard Daus den Dombauverein in seinen Bemühungen zur Erhaltung des Sakralbaues.
Die „Glagolithische Messe“ ist musikalische gesehen ein faszinierendes Werk, das mit seiner süffigen Dichte an vielen Stellen nur schwer durchdringbar ist und den Zuhörer in jedem Moment intensiv und bis an die Zumutbarkeitsgrenze fordert. Umso notwendiger, dass die Interpretation mit Bedacht und Präzision ausgeführt wird. Dem Chor und auch dem Orchester gelang dies erstaunlich mühelos. Beide Ensembles agierten mit dem Höchstmaß an Konzentration und musikalischem Verantwortungsbewusstsein, ohne dabei in eine übervorsichtige Starre zu verfallen. Das machte die Aufführung lebendig und überraschend plastisch.
Wirkungsbewusste, kraftvolle Chor-Tutti prägten weite Strecken der Messe. Im „Svcet“ beeindruckte zudem die rhythmische Präzision. Das Orchester aus Herford konnte seine kultivierte Klangsprache insbesondere in den längeren reinen Instrumental-Abschnitten demonstrieren. Im „Te Deum“ nutzten die Ensembles dann auch die Möglichkeit, weichere Momente auszukosten und die Piano-Stellen empfindsam zu hinterfragen. ......
Messa da Requiem – Giuseppe Verdi
06. August 2006 – Gasteig, München
Abendzeitung vom 08. August 2006
(von Robert Braunmüller)
Charme ohne Offensive
...... Star des Abends war die EuropaChorAkademie, ein auf Profi-Niveau singender Laienchor, der jüngst auch bei Kent Naganos „Lohengrin“ in Baden-Baden für machtvolle Wirkungen sorgte (Einstudierung: Joshard Daus).
Münchner Merkur vom 08. August 2006
(von Tobias Hell)
Sturmmusik
Manchmal erscheint es einem fast so, als sei Placido Domingo mit seiner sängerischen Weltkarriere und den Aufgaben als künstlerischer Leiter gleich zweier Opernhäuser noch immer nicht ausgelastet. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass der umtriebige Künstler noch Zeit für die Arbeit mit dem Youth Orchestra of the Americas findet.
Einem aus 22 Nationen des amerikanischen Kontinents rekrutierten Ensemble, das sich nun unter der Leitung seines „Artistic Advisors“ erstmals in der Münchner Philharmonie vorstellte.
Die Sänger in rechte Licht gerückt:
Als Dirigent ist Domingo bislang vor allem an den Großen Opernhäusern in Erscheinung getreten. Und so mag es kaum verwundern, dass auch Giuseppe Verdis „Messa da Requiem“ mit der Europa-Chor-Akademie weniger nach sakraler Trauermusik klang, sonder vielmehr nach einem bislang verschollenen letzten Musikdrama des italienischen Komponisten. .....
..... verstand es Placido Domingo, seine Sänger stets in rechte Licht zu rücken und mit ihnen zu atmen. Doch das dürfte nun wirklich niemand überrascht haben.
Mainzer Allgemeine Zeitung vom 03. August 2006
(von Michael Jacobs)
Wunderbare Gruppe junger Menschen
Noch ehe die 107 Sängerinnen und Sänger der multinationalen Europa Chor-Akademie darüber nach grübeln können, ob der charismatische Madrilene mit dem grau melierten Bart nicht doch bloß eine opernhafte Erscheinung ist, schreitet der Maestro schon zum Taktstock. „Ich möchte eure Gesichter sehen, bevor wir nach München gehen“, sagt Plácido Domingo in der alten Aula der Mainzer Universität. Auch Joshard Daus, der Leiter des Europa-Chors, kann es noch nicht recht fassen, dass „Einer der größten Sänger und Dirigenten unserer Zeit“ drei Stunden zwischen Nizza und Oslo abgezwackt hat, um sich höchstpersönlich einen Probelauf von Verdis „Requiem“ zu Gehör zu führen. Die Europa Chor-Akademie wird Verdis Spätwerk am kommenden Sonntag in der Münchner Philharmonie unter Domingos Dirigat anstimmen.
Der Chor steht auf, machtvoll erschallt das „Dies irae“, Domingo krümmt sich tief in die anschwellenden Stimmvolumen, bricht dann aber ab, zeigt auf seinen Mund. Als wolle er das Unaussprechliche formen: „Dies ist der Moment der Furcht, wenn wir vor Gottes Angesicht treten. Wir wissen nicht, wie das ist. Genau so soll es klingen.“ Hundert Lungen saugen Luft, die Minen konzentriert, dann stürmt „Dies irae“ bis in die höchsten Spitzen. „Bravo“, ruft Plácido Domingo und streicht das „Agnus Dei“ locker in den Resonanzraum: „Lasst nicht nur eure Stimmen, sondern auch eure Gesichter glänzen – und seid vorsichtig bei den „T“s in „aeterna“. Das „Libera me“ singt der Tenor-Titan selber vor, ehe das junge Sanges-Ensemble Verdis hochdramatisches Glaubensbekenntnis auf den Punkt genau aushaucht.
Pause, Applaus brandet auf, aus dem Klangkörper schießen Fotoapparate, während Daus und Domingo über den Flügel gebeugt noch einmal die Partitur durchsprechen. Er habe Verdi bei seiner Karriere viel zu verdanken, sagt Plácido Domingo. Zuletzt habe er das „Requiem“ bei der Trauerfeier für Johannes Paul II dirigiert, jetzt in München sei es das dritte Mal – mit einer „wunderbaren Gruppe junger Menschen“.
Der Klassik-Superstar ist auch Artist Director des renommierten Youth Orchester of the Americas. Über diese Brücke habe man zueinander gefunden, sagt Daus. Aber dass es der musikalische Weltenbummler wirklich zu den Mainzer Proben schafft, damit hatten nur wenige gerechnet.
Der Meister lächelt derweil ganz entspannt, signiert ein paar Notenbücher und hat, ehe es weitergeht, nur eine Bitte: Ein stilles Örtchen zum Hemd wechseln.
Dirgierkurs mit Sylvain Cambreling
(Abschlusskonzert)
01. Juli 2006 – Kurfürstliches Schloss, Mainz
Mainzer Allgemeine Zeitung vom 03. Juli 2006
Konzert sollte keines sein
hon. Ausschließlich Chorwerke des 20. Jahrhunderts standen auf dem Programm bei der EuropaChorAkademie, die gestern das Abschlusskonzert ihres Dirigierkurses mit Sylvain Cambreling im Kurfürstlichen Schloss präsentierte.
Cambreling machte klar: „Dieses Konzert ist kein Konzert“. Schließlich geht es vor allem um die Demonstration des im Kurs Gelernten. So habe er „viele Kompositionen nach einem pädagogischen Aspekt“ ausgesucht und wünschte den Besuchern augenzwinkernd „Genuss nach unserer qualvollen Woche“. Das Konzert legt den Eindruck nahe: sowohl der kleine Chor und die eigens dafür zusammengestellten Ensembles als auch die sieben Dirigenten aus dem Kurs stellten sich ihrem Publikum mit lebhaften und durchdachten Interpretationen.
... gaben einen Eindruck darin, welch detailreiche Arbeit geleistet wurde.
Lohengrin – Richard Wagner
03. Juni 2006 – Festspielhaus, Baden-Baden
05. Juni 2006 – Festspielhaus, Baden-Baden
07. Juni 2006 – Festspielhaus, Baden-Baden
Abendzeitung vom 06. Juni 2006
(von Robert Braunmüller)
Eine Treppe voller Stars
..... Das Deutsche Symphonieorchester begeistert mit festspielreif süffigen Streichern und knackigen Bläsern. Die Mainzer EuropaChorAkademie und der Lyoner Opernchor (Einstudierung: Joshard Daus) sangen auf Bayreuther Niveau, die Solisten übertrafen es.
Badisches Tagblatt vom 06. Juni 2006
(von Sigrid Feeser)
Elsas Traum in grandiosen Räumen
.... und den von Joshard Daus auf höchstem Niveau vorbereiteten vereinigten Chören der Europa-Chor-Akademie und der Operá National de Lyon einen fantastischen Auftritt verschafft.
dpa – Deutsche Presse Agentur vom 04. Juni 2006
In Belchgewittern: Kent Naganos „Lohengrin“ in Baden-Baden
Das Festspielhaus Baden-Baden bastelt erfolgreich weiter an seinem Ruf, als Wagner-Bühne eine echte Alternative zur Konkurrenz Bayreuth zu sein. Im Rahmen der Herbert-von-Karajan-Pfingsfestspiele hatte am Samstag Richard Wagners Romantische Oper „Lohengrin“ Premiere. Der Beilfall nach jedem der drei Akte steigerte sich bis zu begeisterten Ovationen am Ende der mehr als fünfstündigen Aufführung. Nikolaus Lehnhoffs Inszenierung, das gigantische Bühnenbild von Stefan Braunfels und eine geschlossene musikalische Ensembleleistung unter Kent Nagano garantierten einen festspielreifen Opernabend. ......
Der erfahrene Operndirigent geht zum Ende des Jahres als Generalmusikdirektor an die Bayerische Staatsoper. Er steht für einen ganz eigenen Wagner-Klang: Es ist eine gelungene Mischung aus Kammermusik, sängerfreundlicher Zurückhaltung und hörbarem Spaß an lautstarkem Blechgewitter. Das Deutsche Symphonieorchester Berlin, das er in den letzten Jahren auf ein erstaunliches Niveau geführt hat, der Chor der Opera Lyon und die Mainzer Europa-Chor-Akademie setzen seiner Intention perfekt um.
War Requiem – Benjamin Britten
28. April 2006 – Alte Oper, Frankfurt
29. April 2006 – Alte Oper, Frankfurt
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 02. Mai 2006
(von Harald Budweg)
Ich bin der Feind, mein Freund
Zusammen mit Olivier Messiaen, Dimitri Schostakowitsch und – freilich vielmehr in ästhetischem denn politischen Sinne – Karlheinz Stockhausen gehört der britische Komponist Benjamin Britten zu den großen Bekenntnismusikern des 20. Jahrhunderts.
....... führte .... Hugh Wolff das „War Requiem“ zusammen mit dem hr-Sinfonieorchester, der von Joshard Daus einstudierten Europa-Chorakademie und den von Klaus Knubben im Bühnenrang dirigierten Limburger Domsingknaben zu einhelligem, mit Ovationen bedachten Erfolg.
Die Wirkung unterschiedlicher Raumklangebenen könnte Britten bei Gustav Mahler studiert haben. Im Falle des „War Requiem“ sind die Stimmen so verteilt, dass Solosopran, Chor und großes Orchester die Ebene des quasi „archaischen“ Requiems bilden, Tenor, Bariton und Kammerensembles die klanglich intimere Welt der Owen-Gedichte, wodurch Brittens pazifistische Gesinnung eindeutig positioniert erscheint. Über allem schweben Knabenstimmen und Orgel als Repräsentanten einer „Ewigkeit“. .... Hugh Wolffs erzielte Transparenz der doch so komplexen Partitur gab immer wieder zu Erstaunen Anlass.
Wiesbadener Kurier vom 29. April 2006
(von Axel Zibulski)
Überwältigend
Als vor 25 Jahren das Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt seine erste Konzertsaison in der wieder aufgebauten Alten Oper eröffnete, stand Benjamin Brittens „War Requiem“ auf dem Programm. ......
Nach 25 Jahren erklang das „War Requiem“ jetzt erneut in einem Abonnementkonzert des mittlerweile in HR-Sinfonieorchester umbenannten Ensembles.; bei seinem vorletzten Auftritt als Chefdirigent erinnerte Hugh Wolff damit zugleich an das in diesem Jahr gefeierte Jubiläum der Wiedereröffnung der Alten Oper. Die Aufführung des opulent „für Sopran, Tenor, Bariton, gemischten Chor, Knabenchor, Orchester und Kammerorchester“ gesetzten Oratoriums gelang jetzt in jeder Hinsicht künstlerisch überwältigend: So sorgfältig wie die von Joshard Daus einstudierte und vorwiegende mit jungen Sängern besetzten „EuropaChorAkademie“ agierten auch die Mitglieder der Limburger Domsingknaben.
Vor allem aber den drei Vokalsolisten gelangen tadellose Leistungen. .........
Markus-Passion (1786) – Carl Philipp Emanuel Bach,
Messe in c-Moll – Wolfgang Amadeus Mozart (Konzert Bremen),
Kantate – Johann Sebastian Bach (Konzert Bad Kreuznach)
12. April 2006 – Glocke, Bremen
13. April 2006 – Paulus Kirche, Bad Kreuznach
14. April 2006 – Kammermusiksaal in der Philharmonie, Berlin
Öffentlicher Anzeiger – Rhein Zeitung vom 18. April 2006
(von Ernst F. Puppel)
Ensemble präsentierte sich meisterlich
In der Paulus Kirche auf dem Wörth in Bad Kreuznach konzertierten die EuropaChorAkademie und die MendelssohnSymphonia unter der Leitung von Joshard Daus. Als Solistinnen wirkten mit Claudia Barainsky (Sopran) und Maria Soulis (Mezzosopran). Die Tenorpartien sangen Thomas Dewald und Daniel Sanas, für die Basspassagen waren Ulf Bästlein und Bart Driessen zuständig. ....
Unter Stabführung von Professor Joshard Daus kam die Kantate BWV 146 von Johann Sebastian Bach (1685-1750) zur Aufführung, die 1726 in der Thomaskirche zu Leipzig uraufgeführt wurde. Mit ienem konzentrierten Orgel-Solo und synkopenreichen Streicherpartien eröffnete die Sinfonia das Werk. Mezzosopran und Sopran schilderten überwiegend Trübsal und Leid. Holzbläser und Cello als Continuo setzten die Klage fort, bis beide Tenöre in einer Jubelarie den Weg bereiteten für den Choral „Freu dich sehr, o meine Seele“. Alle Erwartungen, die durch diesen musikalischen Auftakt für das Hauptwerk des Abends geweckt wurden, sollten erfüllt und noch gesteigert werden. ....
Chor und Orchester entsprachen mit sauberer Artikulation und sicherer Tonführung dem anspruchsvollen Dirigat von Joshard Daus. Dem standen alle Solopartien in meisterlicher Vollendung gleichrangig zur Seite. Besonders erwähnenswert ist der Part des Evangelisten, den Thomas Dewald text- und stimmsicher von der Kanzel herab erfüllte.
Berliner Morgenpost vom 16. April 2006
(von Martina Helmig)
Uraufführung der 5. Markuspassion von Bachs Sohn
...... Nun stand die Erstaufführung der 5. Markuspassion auf dem Programm der EuropaChorAkademie.
Warum gerade dieses Werk? Wohl, weil der Komponist dafür relativ viel Musik geschrieben hat. ...... Alle vier Jahre wurde eine neue Markuspassion gefordert, jedes Mal tauschte Bach einzelne Nummern gegen eigene aus. Am Ende seiner Amtszeit, bei der 5. Markuspassion, stammten „nur noch“ Rezitative und Choräle vom Kollegen, Arien und Chöre aber von ihm selbst.
Das Pasticcio-Puzzle fügt sich im Kammermusiksaal der Philharmonie zu einer bemerkenswert geschlossenen Einheit zusammen. Unter der Leitung von Joshard Daus sind sechs Gesangssolisten und die neu gegründete MendelssohnSymphonia leidenschaftlich im Einsatz. Die Hauptrolle übernimmt aber doch die fabelhafte EuropaChorAkademie. Bach hat da ein unprätentiöses, aber eindringliches, in sich geschlossenes Werk komponiert. .......
Weser Kurier vom 15. April 2006
(von Simon Neubauer)
Leicht ins Ohr dringende Lieder
BREMEN. An Fleiß stand der Sohn seinem Vater gewiss nicht nach. Denn Carl Philipp Emanuel Bach hat insbesondere als Städtischer Musikdirektor in Hamburg die amtliche Pflicht, zu Gottesdiensten, Festen und Feiern unentwegt die Notenfeder zu führen. Vieles ist längst vergessen, aber seit ein Großteil der als Kriegsbeute verschleppten Partituren an der Berliner Singakademie wieder ihre Heimatstadt gefunden hat, tauchen auch nach und nach vorwiegend Passionen und Kantaten als Erstaufführungen auf.
Joshard Daus hat sich als Mentor dieser ausgegrabenen Werke verdient gemacht. Jetzt präsentiert er eine Markus-Passion aus dem Jahre 1786, ein typisches Dokument des Übergangs, denn es nutzt aus der Tradition nur noch die Choräle und den barocken Tonfall der Rezitative. ...... Joshard Daus glückte eine bedachtsame durchgearbeitete Aufführung, wobei er die mit jugendlich-frischem, differenziertem Klang aufwartende EuropaChorAkademie zu präzisem Gestalten zu führen verstand. Thomas Dewald im stimmlichen Kolorit ein kerniger Evangelist, überzeugte vor allem durch die Klarheit der Diktion. .....
Die Mendelssohn-Symphonia, eine Neugründung von Daus und im wesentlichen mit Musikern des Südwestdeutschen Kammerorchesters besetzt, versucht „historische Aufführungspraxis mit Klangfarben moderner Instrumente“ zu verbinden....... wohlklingender und inspirierter verhalf die Mendelssohn-Symphonia der im zweiten Teil des Dreistundenkonzertes erklingenden Grossen Messe c-Moll (KV 427) von Mozart zur Wirkung. Allerdings hatte Daus nicht nur den orchestralen Part, sondern auch den beträchtlichen vokalen Teil stets in gutem Griff und konnte somit den von Jubel und Feierlichkeit, flehenden Rufen und naiv-frommer Andacht geprägten Torso zu lebendiger Deutung verhelfen. Die EuropaChorAkademie hatte hier reichlich Gelegenheit, neben gepflegtem Klang auch mit der Sicherheit in fünfstimmiger Monumentalität und Verinnerlichung der homophonen Sätze zu glänzen.
Johann Sebastian Bach- Messe h-Moll
02. April 2010 – Berlin, Philharmonie
Cambreling dirigiert Strawinsky und Orff
